Alltagsintegrierte Sprachbildung und inklusive Prozesse
in den Kindertagesstätten in Salzgitter

In Salzgitter haben Sprachbildung und Sprachförderung in den Kindertageseinrichtungen einen hohen Stellenwert. Grundlagen für Sprachbildung und Sprachförderung als Basis der pädagogischen Arbeit im Elementarbereich sind:

Die Handlungsempfehlungen „Sprachbildung und Sprachförderung“ zum Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich niedersächsischer Tageseinrichtungen für Kinder

Die Richtlinie des Kultusministeriums über die Gewährung von Zuwendungen zur Förderung alltagsintegrierter Sprachbildung und Sprachförderung im Elementarbereich 2016-2017

„Sprache und Sprechen leben“ Regionales Konzept zur systematischen Integration von Sprachbildung und Sprachförderung in den Kindertagesstätten der Stadt Salzgitter (Anlage)

Sprachbildung und Sprachförderung in der Kindertagesstätte sind dynamische Prozesse, die durch Rahmenbedingungen, Bedarfe der Kinder, Eltern und Pädagogen und durch fortschreitende Entwicklungen bestimmt werden, mit dem Ziel, einer verbesserten Sprachentwicklung unserer Kinder. Ein gutes Sprachfundament sorgt für mehr Chancengleichheit in der Bildung und ist Grundlage für starke Kinder in unserer Gesellschaft

Hier spielt der inklusive Gedanke eine wichtige Rolle. Die Kinder sollen ihrem individuellen Entwicklungsstand entsprechend gesehen, gefordert und begleitet werden. Alle pädagogischen Fachkräfte mit ihren unterschiedlichen Potenzialen und Ressourcen werden in diese Prozesse involviert. Ziel ist es, Teilhabe zu ermöglichen. Das Projekt „Inklusion durch Enkulturation“ ermöglicht eine Intensivierung der inklusiven Perspektive und eine Sensibilisierung für vorurteilsbewusste Fragestellungen.

Sprachförderung in den Kindertageseinrichtungen wird in Salzgitter schon seit 2003 intensiv betrieben. Durch die Fördermittel von Bund und Land und die finanzielle Beteiligung der Stadt Salzgitter mit zusätzlich 300.000,- € wird eine qualitativ hochwertige Sprachbildung / -förderung in den Kindertagesstätten vor Ort ermöglicht.

Ziel war und ist es, die pädagogischen Fachkräfte für sprachliche Situationen zu sensibilisieren und ihnen Ideen und Inhalte zur Umsetzung einer inklusiven alltagsintegrierten Sprachbildung und Sprachförderung an die Hand zu geben. Dazu gehören auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Person und die Reflexion von Haltungsfragen in der pädagogischen Arbeit.

2011-2013 wurden die Fachkräfte in den Salzgitteraner Kitas in den Prozess durch eine Fortbildungsreihe“ Sprache und Sprechen leben“ eingebunden. Während alle Mitarbeiter/innen einen 2 tägigen Grundbaustein Sprache besuchten und andere Fortbildungen nach Bedarf wählten, wurden 64 Personen zu Multiplikatoren ausgebildet und vertiefen ihr Wissen seither in Vernetzungstreffen, die von der Stadt angeboten werden - zuerst in einer Qualifizierung von mind. 70 Stunden, danach in häufigen Arbeitskreisen, die von der Sprachbeauftragen organisiert sind. Hier werden Themen wie Sprache, Inklusion, Haltung, Kommunikationsstrategien usw. bearbeitet und der Austausch der vielen Persönlichkeiten genutzt, Erfahrungen zu erweitern.

Die Multiplikatoren werden zudem durch ein Coaching begleitet, und durch weitere Fortbildungen unterstützt. Sie transportieren die Inhalte in ihre Einrichtung und initiieren Prozesse und thematische Auseinandersetzungen in den Teams. Ziel dieser Methoden ist es, die Prozesse zu verbessern und die Mitarbeiter/innen zu sensibilisieren.

Durch das Projekt „Inklusion durch Enkulturation" sind Aspekte der Inklusion und Sensibilisierung für interkulturelle Zusammenhänge und die Entwicklung einer vorurteilsbewussten Haltung in den Fokus geraten.

Fortbildungen und Workshops zu den Themen werden angeboten.

Pädagogische Mitarbeiter/innen sind in Ihrem Aufgabenfeld gefordert, sich einerseits professionell zurückzunehmen und sich andererseits gezielt einzubringen. Dies ist für die Haltung der beteiligten Personen entscheidend, um eine inklusive alltagsintegrierte Sprachbildung leben zu können.

Zusammengefasst bedeutet dies:

  • Fachkräfte wissen um die Zeitfenster der Entwicklung
  • Fachkräfte wissen um das Interesse und den Entwicklungsstand jedes einzelnen Kindes
  • Fachkräfte wissen um die Methoden, um individuell und konkret Maßnahmen zu installieren und einzusetzen.
  • Fachkräfte wissen um die Bedeutung von Kommunikation und können sie entsprechend einsetzen.
  • Fachkräfte wissen um die Bedeutung ihrer Vorbildfunktion und können persönliche Belange/ Erfahrungen von professionellen Umsetzungen wahrnehmen, reflektieren und evaluieren
  • Fachkräfte wissen um die Möglichkeiten eines Teams. Auch hier bieten die unterschiedlichen Talente und Persönlichkeiten viel Potenzial.
  • Fachkräfte wissen um die Bedeutung von Inklusion und setzen dies mit gezielten Methoden um

Für jede Phase der Sprachentwicklung gibt es pädagogische Methoden, das Kind zu unterstützen und voranzubringen, ohne dass das Lernen im Vordergrund steht und Druck entsteht. Kinder lernen wie auch Erwachsene am ehesten, wenn sie etwas interessant und spannend finden und dies im ganz eigenen Tempo. Das Tischdecken, das Erforschen des Außengeländes, das Langweilen oder auch das Streiten wird zu einer begleiteten Lernsituation, in der die Kinder sich ausprobieren sollen und Erfahrungen machen können. Dies in einer sicheren Umgebung mit Menschen, die den Kindern zugewannt sind und sie wertschätzen.

Spielen bedeutet lernen und dies in alltäglichen Situationen, die die Fachkräfte durch gezielte Impulse steuern müssen. Früher war der Erzieherberuf mit dem Vorurteil versehen, „Erzieher spielen ja nur“, aus den oben genannten Zeilen wird jedoch deutlich, dass viel mehr dahintersteht.

Es bedarf vor allem ein Wissen um die Abläufe der Sprachentwicklung und den engen Zusammenhang zu anderen Entwicklungsbereichen, die sich gegenseitig bedingen. Dies zu verstehen und zu kennen ist entscheidend, um gerade auch Kindern mit einer anderen Muttersprache das Lernen zu erleichtern. Kinder lernen am besten, wenn sie Dinge selbst tun und erst im zweiten Schritt die Worte dafür in Verbindung bringen. Dies erfordert von den Mitarbeiter/innen ein hohes Maß an Professionalität und Kreativität.

Für eine gute inklusive Zusammenarbeit mit den Familien bedeutet es, jede Familie in die Prozesse in der Kita einzubinden und darüber aufzuklären. Fachkräfte sind auch hier in der Vorbildfunktion und sollen die Familien in ihrer Einzigartigkeit wertschätzen.

Ziel aller Maßnahmen ist es, die inklusive, sprachliche Arbeitsweise zu hinterfragen zu lernen, die Qualität in den Einrichtungen zu verbessern, um allen Kindern und Familien eine verlässliche Bildungseinrichtung zu sein.

Durch das Projekt „Inklusion durch Enkulturation“ sind in der Umsetzung in den Bereichen Inklusion und „Vielfalt leben“ neue Impulse in die Kitas getragen worden. So haben sich einige Kitas auf den Weg gemacht, sich mit den Indexfragen für Kindertageseinrichtungen zu beschäftigen, in den Arbeitskreisen der Sprachmultiplikatoren werden die Indexfragen thematisiert, Materialien und Bilderbücher stehen zur Ausleihe zur Verfügung und Haltungsfragen und interkulturelle Sensibilität sind wichtige Bestandteile in Fortbildungen und Inhouse Seminaren in den Einrichtungen.

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