Die Projektidee in der 3. Projektphase (01.09.2020 – 31.06.2022)

Seit dem 01.09. 2020 hat die 3. IdE-Projektphase für die Stadt Salzgitter begonnen. In der vorherigen Projektphase konnte auch bedingt durch die Corona-Pandemie, nicht alle Vorhaben und Ideen umgesetzt werden – dies wird jetzt in der 3. Projektphase nachgeholt. Bewährter Bestandteile der vorherigen Projektphase und neue Ideen runden die 3. Projektphase ab – siehe das Schaubild:

Schaubild zur Projektphase 3

Sprache

Schon seit langem besteht in Salzgitter eine enge Kooperation mit der Berufsbildenden Schule Fredenberg / Bildungsgang Sozialpädagogik. Damit wird der Transfer aus der Praxis in die Lehre gesichert und die BerufsschülerInnen optimal auf die Praxis in Salzgitter vorbereitet. Aus diesem Grund werden bis zu acht fortgeschrittene „Multiplikatorinnen für Sprachförderung“ aus Salzgitteraner KiTas als „Multissimae“ zukünftig an der Berufsbildenden Schule Fredenberg im Lehrbereich Sprache die Schule aktiv im Unterricht unterstützen. Dieser Praxistransfer in die Ausbildung zukünftiger PädagogenInnen führt die BerufsschülerInnen schon frühzeitig in die Gestaltung von inklusiven Sprachprozessen ein und weckt ein Grundverständnis für die bedeutende Rolle der Pädagogen im Enkulturationsprozess von Kindern. Dieser Prozess wird von den im Projekt eingesetzten Sprachförderkräften aktiv unterstützt und gesteuert.

Im Projektteilbereich Sprache wurden in der letzten Projektphase ein Fachtag und eine Fortbildung zum Thema Literacy erfolgreich angeboten. Inzwischen haben sich weitere Interessierte KiTa-Mitarbeitende für mögliche neue Literacy-Fortbildungen gemeldet. Um Literacy als Methode zur Sprachentwicklung einerseits und Legasthenieprävention andererseits in Salzgitter zu fördern, werden auch in der neuen Projektphase wieder Literacy-Fortbildungen für Mitarbeitende von KiTa´s angeboten.

Marte Meo

In den letzten beiden Projektphasen wurde die Methode Marte Meo im großen Umfang bei KiTa´s, Schulen und Beratungsstellen vorgestellt, geschult und ausgebildet – von der Basisqualifikation des Practitioner bis zum des Colleague Trainer (institutionsinterner Teamausbilder zum Practitioner) und Therapist (Elternberater). Gerade durch die Qualifizierung zum Colleague Trainer wird es nunmehr zukünftig möglich z. B. KiTa-Teams als Marte Meo Practitioner auszubilden und somit Marte Meo nachhaltiger in den KiTas umzusetzen. Aus diesen Gründen wird bezüglich der inklusiven Methode Marte Meo in der folgenden Projektphase ein neues Ziel verfolgt: die Verstetigung durch praxisnahe Unterstützung. Dies bedeutet, dass zukünftig der Einsatz von Marte Meo in der KiTa oder auch Schul-Praxis durch Angebote der unterstützenden Fallarbeit mit einem / einer Marte Meo-Coachenden angeboten wird. Die Einrichtungen können dann verstärkt in die Marte Meo Fallarbeit einsteigen und das gelernte Marte Meo Wissen wird in der Praxis tatsächlich angewandt mit der Motivation und fachlichen Unterstützung durch einen /einer erfahrenen Marte Meo-Coachenden. Allzu oft erleben wir in der Praxis, dass die erlernte Methodenvielfalt oder das neu erworbene Wissen in der Praxis des Alltages verlorengehen und aus welchen Gründen auch immer trotz Motivation keine Anwendung finden – durch das praxisnahe Marte Meo Coaching soll genau diesem Phänomen entgegengewirkt werden und die Aussicht auf Verstetigung dieser inklusiven Methode der Analyse und aktivierenden Unterstützung der Kinder wird Rechnung getragen als logische und systemische Schlussfolgerung der vorangegangenen Marte Meo Fortbildungen.

EEC-Ausbildung für KiTa Gruppenleitende

Auch schon in der Vergangenheit wurde zu mindestens in den Salzgitteraner Familienzentren partiell mit dem EEC-Ansatz (Early Excellence) gearbeitet. In 2019 wurde in Zusammenarbeit mit der Dürr-Stiftung die Umsetzung des EEC-Ansatzes in den Salzgitteraner Familienzentren zielgerichtet fokussiert und ausgebaut. Der EEC-Ansatz ist eine sehr inklusive und partizipative Methode, um den KiTa-Alltag kindkonzentriert auszurichten und teilhabende Zugänge zu schaffen. Auch die Eltern werden gezielt gestärkt und unterstützt in der Wahrnehmung ihrer Rolle als erste Enkulturationsagenten im Leben ihrer Kinder. In der praktischen KiTa-Arbeit hat sich gezeigt, dass die alleinige Ausrichtung der Familienzentren nicht weit genug greift, hier fehlt dann oft der Wissens- und Methodentransport und die grundsätzliche Adaption in den Regel-KiTa-Bereich hinein, so dass die EEC ausgebildeten Familienzentren Gefahr laufen seitens der durch EEC gewonnen Haltung und auch methodisch als „Satellit“ innerhalb der Einrichtung zu agieren. Dies begründet die Notwendigkeit, auch in den Regel-KiTa´s pädagogische Fachkräfte in den EEC-Methoden auszubilden und die inklusiven Werte der EEC-Haltung zu vermitteln. Die EEC-Ausbildung für Gruppenleitende in KiTa´s wird in enger Kooperation mit der Dürr-Stiftung geplant, organisiert und durchgeführt und endet mit einem Zertifikat.

AnleiterInnenausbildung in KiTa´s für SchülerInnen- und Praktikantenbetreuende

Schon 2013 gab es in Salzgitter erste AnleiterInnenausbildungen für KiTa-Fachkräfte welche SchülerInnen und PraktikantInnen in den KiTa´s anleiten. Dahinter steckt der Gedanke, dass gerade berufliche NeueinsteigerInnen ein erhöhtes Maß an Anleitungs- und Sensibilisierungsprozesse bedürfen, um ihre Rolle und Rollenverantwortung innerhalb einer pädagogischen Institution KiTa finden zu können und gleichsam fachlich gestützt sich individuell und zunehmend zu professionalisieren. Zu diesem Zweck werden Ausbildungen für AnleiterInnenausbildung in KiTa´s für SchülerInnen und Praktikantenbetreuende angeboten. Die inhaltliche Ausrichtung dieser Fortbildungen werden dabei gerade auch die Schärfung des Rollenbewusstseins und die Sensibilisierung für inklusive Teilhabeprozesse für Kinder und deren Familien von Beginn an innerhalb öffentlicher Erziehungsprozesse, fokussieren und stellen damit eine Ergänzung und Erweiterung der bisherigen AnleiterInnenausbildungskonzeption für KiTa´s dar.

Fortbildungen

In der ersten Projektphase wurden sehr umfangreich Ringvorlesungen abgehalten und für viele an der Erziehung von Kindern und Jugendlichen beteiligten Berufsgruppen eine Vielzahl von unterschiedlichen Fortbildungen zur Haltungsbildung und Wissenserwerb zum Themenkomplex Inklusion und Enkulturation angeboten. In der zweiten Projektphase konnte festgestellt werden, dass durch die Personalnot in den KiTa´s und anderen Institutionen die Zeiten für Fortbildungen nicht mehr verbindlich eingehalten werden können oder gar die planerischen Dienstplangestaltungen für langfristige Fortbildungstermine fast nicht mehr möglich sind. Die geplanten allgemeinen Fortbildungen und Coachingmöglichkeiten konnten von den Institutionen aus den vorgenannten Gründen nur sehr begrenzt abgerufen werden. So werden in der 3. Projektphase zwar weiterhin von den Institutionen noch frei wählbare IdE-Fortbildungsmöglichkeiten angeboten, aber nur in einem sehr reduzierten Rahmen. Die Erfahrungen der letzten Projektphasen haben gezeigt, dass es immer wieder solcher individualisierten und bedarfsgerechten Angebote in diesem Projektrahmen bedarf, aber nicht in dem bisherigen geplanten Rahmen, wie in der 2. Projektphase planerisch vorgesehen war.

SchulmittlerInnen

Die Salzgitteraner Bildungslandschaft steht spätestens seit Ende 2015 vor neuen Herausforderungen. Die Schulen im sozialen Brennpunkt als Lern- und Lebensort für viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung, stehen vor großen Herausforderungen, Inklusion umzusetzen und schuldistanziertes Schülerverhalten zu vermeiden. Insbesondere der Kontakt zu und die Zusammenarbeit mit den Eltern sind aufgrund vielfältiger sprachlicher und kultureller Hindernisse kaum möglich, sodass Elternabende, Elternsprechtage, gemeinsame Projekte mit Eltern, Informationsveranstaltungen der Schule i.d.R. mit einer sehr geringen Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern stattfinden.

Ziel dieses Teilprojekts ist eine Schnittstelle in der Primärstufe zwischen Eltern, Schule und Schulsozialarbeitern zu schaffen, um die im § 6 Nds. Schulgesetz verankerte Bildungspartnerschaft zu unterstützen und Bildungsbenachteiligung vorzubeugen. Geschulte und bestenfalls muttersprachliche SchulmittlerInnen (SchuMi) werden VermittlerInnen und Sprachrohr für die individuellen Bedürfnisse der oben genannten Beteiligten sein, damit übergeordnet Schuldistanz gar nicht erst auftritt und Enkulturationsunterstützung vermittelt werden kann. Aufgabe des IdE-Projektes wird es sein, die Fortbildung/ Ausbildung dieser SchulmittlerInnen zu übernehmen. Die Ausbildung umfasst insgesamt 30 Stunden und ist thematisch an der Vermittlung von inklusiven Werten und Haltung ausgerichtet. Besonderer Wert wird dabei auf die curriculare Vermittlung von interkulturellem Wissen und den Abbau von Diskriminierung und Ungleichheit gelegt. Die weitere Finanzierung für den Einsatz der SchulmittlerInnen in der schulpraktischen Arbeit wird zusätzlich zum IdE-Projekt durch eine Finanzierung außerhalb des IdE-Finanzrahmens unterstützt. Innerhalb der IdE-Projektkulisse wird noch ein Coaching dieser semiprofessionellen SchulmittlerInen stattfinden, um den qualitativen Anspruch dieses Teilprojektes zu sichern und gleichzeitig gerade in der Aufbauphase eine verlässliche Beratungsstruktur sicherzustellen.

Index für Inklusion

Schon in der 2. Projektphase wurde geplant eine Index-AG für Kitas zu implementieren. Dieses Vorhaben konnte aus Gründen ungenügender personeller und zeitlicher Ressourcen nicht umgesetzt werden. Da dieser Projektteil aber als eine wichtige zukunftsorientierte Komponente in der systemischen Ausrichtung des Salzgitteraner IdE Projektes verstanden wird, soll die Index-AG seine Umsetzung in der 3. Projektphase mit einer verlässlicheren Personalplanung und personellen Verantwortlichkeit erfahren. Mit Hilfe einer professionellen Prozessbegleitung wird eine neue Index-AG für Kindertagesstätten entstehen. Mitarbeitende der Kindertageseinrichtungen lernen den Index für Inklusion anzuwenden, sich kritisch mit den Inhalten auseinanderzusetzen und die Adaption in die Praxis zu gestalten. Der Index für Inklusion wird durch die neue Index-AG als wichtiges Instrument zur Organisationsentwicklung in Kindertageseinrichtungen etabliert.

Ausbildung Diversityadviser

Leider konnte in der 2. Projektphase auch die Diversityadviser-Ausbildung nicht wie geplant einer Realisierung zugeführt werden. Hier gilt, genau wie für die Index-AG die Verwirklichung in der 3. Projektphase. Dabei wird eine stärkere Fokussierung im Teilnehmendenkreis auf den Schulen / SchulsozialarbeiterInnen liegen, da hier einerseits ein direkterer Personalzugriff möglich ist (städtische SchulsozialarbeiterInnen) und andererseits durch die nicht stetige Betreuungssituation des schulischen Klientels können die SchulsozialarbeiterInnen ihre zeitlichen Fortbildungsressourcen selbstbestimmter organisieren. Die Grundidee dieser Ausbildung ist es, dass in jeder Kita und Grundschule in Salzgitter eine ausgebildete Fachkraft für den Bereich Diversität und Enkulturationsbedingungen als Berater für das Team zu Verfügung gestellt werden kann, um Haltung und Bewusstsein für die Thematik „Inklusion aller“ durch die ausgebildeten Diversityadviser als Multiplikatoren in die Breite der Einrichtungen zu tragen und zu etablieren. Anschließend werden die ausgebildeten Diversityadviser in einem neuen Netzwerk verortet und gecoacht, um die einzelnen Einrichtungen zu vernetzen und das Gesamtziel der Diversityausbildung zu perpetuieren.

Übergangsinitiative

In der 2. Projektphase hat gerade dieser Projektteilbereich innerhalb der bestehenden IdE-Netzwerkarbeit einen erweiterten Rahmen angenommen. Von der bloßen Übergangsgestaltung zwischen KiTa und Grundschule wurde in dem Netzwerk der Unterarbeitsgruppe Übergänge bereichsübergreifend intensiv an der Fragestellung der gelingenden Übergangsgestaltung und der Organisation von Informationsflüssen, als ein wesentliches Instrument für die interdisziplinäre Übergangsgestaltung zur Reduzierung von misslingenden Bildungsverläufen, gearbeitet. So konnte das Projekt der Salzgitteraner Sammelmappe entwickelt und in ersten Schritten in die Praxis umgesetzt werden. Auch zukünftig soll dieser Projektteil durch Fortbildungen und unterschiedliche Coachingprozesse in IdE-Projektkulisse begleitet werden. Hierbei gilt es besonders zu beachten, dass genau wie bisher in dem gesamten Prozess dieses Projektes Übergangsgestaltung, wirklich nachhaltige Ideen und Projekte im Netzwerk entstanden sind durch das agile und ergebnisoffene Herantasten an die eigentliche Fragestellung: wie können innerhalb der vielfältigen Schnittstellen der Übergangsgestaltung für die weitere Entwicklung der Kinder wichtige Informationen transportiert werden, um Unterstützung und Hilfe in einem angemessenen Rahmen den Kindern und Familie individualisier und kontinuierlich zur Verfügung zu stellen, mit der Zielsetzung der positiven Bildungsverläufe.

IdE-KiTa

In der 2. Projektphase wurde eine bestehende und in Erweiterung befindliche KiTa aus Salzgitter-Bad durch die Salzgitteraner IdE-Projektkulisse unterstützt, ihr pädagogisches Konzept im Sinne einer IdE-KiTa an inklusiven pädagogischen Werten auszurichten. Hierbei erhielt die KiTa durch das IdE-Projekt Unterstützung in Form von Coaching und Fortbildungen. Dadurch entwickelte die IdE-KiTa eine konzeptionelle Pädagogik der Verschiedenheit und der Antidiskriminierung mit dem Ziel, Ausgrenzung zu vermeiden und Chancengleichheit für alle KiTa-Kinder und im weiteren Sinne auch für deren Familien im Rahmen der Tätigkeit der KiTa, zu ermöglichen. Mittelfristig hat diese IdE-KiTa den Anspruch, ein Vorbild für andere Salzgitteraner KiTa´s zu werden. In der neuen Projektphase wird auch weiterhin eine Unterstützung der IdE-KiTa durch das IdE-Projekt nötig werden. Die bisherige konzeptionelle Ausrichtung konnte mit Fortbildungen und Coaching unterstützt werden. Nunmehr muss die IdE-KiTa ihr erlerntes Wissen und ihre planerischen Vorüberlegungen für eine inklusive pädagogische Einrichtung in die Tat umsetzen. Um diesen Prozess gelingen zu lassen und dabei stetig weiterzuentwickeln, wird über das IdE-Projekt auch weiterhin die Möglichkeit der Fortbildungen und des kontinuierlichen Coachings angeboten. Inklusives Handeln entsteht nicht aus sich alleine heraus, sondern bedarf einer bewussten und offenen Haltung, welches es auszubilden gilt und der ständigen Reflexion des pädagogischen Handelns, um inklusive und exklusive Prozesse der gelebten KiTa-Pädagogik identifizieren zu können und bewusst positive Veränderungen herbeizuführen. Dieser intensive und arbeitsaufwendige Prozess bedarf der Begleitung von außen mit einer korrigierenden und spiegelnden Fremdwahrnehmung durch einen / eine professionelle/n Coachenden mit partiellem Zuwachs an Wissenserwerb durch Fortbildungen.

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